Vom Garn zum Schal

In seiner Ausbildung geht Jan Bachhelm voll und ganz auf. Durch Zufall ist er auf den Beruf des Produktionsmechanikers Textil gestoßen und hat bei der Firma V. FRAAS in Wüstenselbitz sein Glück gefunden.


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HELMBRECHTS-WÜSTENSELBITZ
Einen sogenannten Schärzettel zu lesen ist gar nicht einfach. "Das muss man auch erst mal können", sagt Jan Bachhelm grinsend. Der 16-Jährige ist Auszubildender im ersten Lehrjahr zum Produktionsmechaniker Textil bei der Firma V. FRAAS in Wüstenselbitz bei Helmbrechts. Das Unternehmen ist weltweit bekannt für seine Tücher und Schals. Für jedes Produkt gibt es Anweisungen, in welcher Reihenfolge die Garne zusammengeführt werden müssen, damit im Anschluss, in der Weberei, der fertige Schal entsteht. Ganz schön kniffelig für den Laien, aber Jan hatte den Dreh schnell raus. "Ist eigentlich gar nicht so schwer", weiß der 16-Jährige und steckt die richtigen Garnspulen auf die vorgesehenen Steckplätze am Schärgatter.

Hat er das Muster, wie auf dem Zettel angegeben, richtig aufgesteckt, kommt die Maschine zum Einsatz: Die Fäden werden zusammengeführt und bevor sie auf eine große Schärtrommel kommen, laufen sie durch eine Art Kamm. "Damit sie schön nebeneinander liegen und sich nicht verdrehen", erklärt Jan. Während seiner Lehre durchläuft der 16-Jährige die ganze Produktion: Von der Schärerei bis zur Weberei und auch einen Blick in die Veredlung darf er werfen.

Die Ausbildungsstelle hat Jan "mehr oder weniger durch Zufall" entdeckt. "Das Berufsbild klang interessant", erinnert er sich. Etwa ein halbes Jahr vor Ausbildungsbeginn hat er sich bei V. Fraas beworben und in den Osterferien ein Praktikum gemacht. "Uns ist es wichtig, dass die jungen Leute in unseren Betrieb reinschnuppern", sagt Personalleiterin Brigitte Weißmann. So können beide Seiten feststellen, ob das soziale Umfeld passt und die Arbeit kennen lernen. "Der Einblick vorab war sehr hilfreich", betont auch Jan. "Ich hab' nie richtig gewusst, was ich nach der Schule machen soll. Das Praktikum hier hat mich dann überzeugt."

In erster Linie arbeitet der 16-Jährige mit dem lässigen Lächeln auf den Lippen in der Schärerei und Weberei und unterstützt die Produktion. "Wenn Not am Mann war, hab ich auch schon mal alleine gewebt", erzählt er stolz. "Das dürfen natürlich nur diejenigen Azubis, die nach einem Jahr Ausbildungszeit sehr gut sind", fügt Weißmann hinzu.

Bis zu zwölf Millionen Schals fertigt V. FRAAS im Jahr und verkauft diese weltweit. Das Portfolio ist breit gefächert: Schals aus Kaschmir, Tücher aus Seide, in gedeckten und leuchtend bunten Farben, einfarbig oder gemustert - hier gibt es Accessoires für Damen und Herren in allen möglichen Ausführungen. "Man kann jedes erdenkliche Muster mit der Maschine produzieren", erklärt Jan. In der Weberei stehen moderne Webstühle, die blitzschnell bunte Fäden zu prächtigen Stoffen verweben: Leuchtend blaue mit Paisley Muster, graue mit weinroten Sternen und das typische, karierte Fraas-Muster. "Von denen machen wir echt viel", sagt Jan und streicht vorsichtig über den gerade fertig gewobenen Stoff.

Dass ihm die Arbeit Spaß macht, muss er gar nicht sagen. Jeder erkennt es an dem Funkeln in seinen Augen, am schelmischen Grinsen, wenn er sich mit den Kollegen unterhält und der fast vorsichtigen Art, wie er die Produkte betrachtet. "Es gibt viele Dinge hier, die besonders sind", sagt er. "Einfach gesagt: Die Leute. Ich komm' rein und muss schon das Grinsen anfangen." Und auch die Mitarbeiter lassen sich von Jans Fröhlichkeit anstecken. "Das Weben macht mir aber am meisten Spaß", sagt der 16-Jährige. Er überlegt kurz. Schüttelt leicht den Kopf. "Eigentlich ist's überall schön."

Für Jan könnte es nicht besser laufen. "Ich bin ein kleiner Glückspilz", sagt er grinsend. Er hat seinen Traumberuf gefunden und weiß das zu schätzen. Auch, dass die Berufsschule so nah ist. "Münchberg ist einer von zwei Standorten in Deutschland", sagt Brigitte Weißmann. Viele Auszubildenden aus der Branche müssten weite Wege in Kauf nehmen, um die Schule zu besuchen. "Da können wir uns wirklich glücklich schätzen", findet Weißmann.

Einzig das Putzen der Maschinen liegt Jan nicht so. "Aber das kommt nicht so oft vor", freut sich der 16-Jährige. Dafür reißt ab und an mal ein Faden. Jan muss die teilweise sehr feinen Garne dann wieder mit einem speziellen Knoten zusammenbinden. Auch die Muster muss er immer wieder überprüfen. Ist eine Garnspule, die er in der Schärerei gesteckt hat, am falschen Platz, zieht sich das Missgeschick durch das ganze Design. "Es passiert schnell mal, dass man was falsch macht", gibt Jan zu. Doch die Kollegen nehmen es dem jungen Azubi nicht übel. Beim nächsten Mal klappt es bestimmt.

Ob er noch einmal die Schulbank drücken würde ? "Nein", kommt es sofort von Jan. "Schule is' nix mehr für mich." Trotzdem musste er sich zu Beginn seiner Ausbildung schon umgewöhnen. "Als ich anfangs nach Hause gekommen bin, bin ich erst mal eingeschlafen", erinnert er sich lachend. "Aber jetzt kann ich gar nicht mehr lange schlafen." Die Ausbildung sei sogar noch besser als er erwartet habe. "Es ist sehr abwechslungsreich und fordernd", sagt Jan. "Sonst wär's ja auch langweilig."
 

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Erschienen in der Blickpunkt am 21.07.2014
Artikel von Jacqueline Burak
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...sind viele unserer Produkte gelabelt. Sie werden Energie sparend und mit regionaler Verbundenheit gewebt, gefärbt, veredelt und auf kurzem Wege in Deutschland distribuiert.
Nachhaltigkeit
Wir von V. FRAAS stehen für Schals und textile Accessoires wie kein zweites Unternehmen. Daher legen wir auch immensen Wert darauf, ökologisch und ethisch wertvoll zu produzieren.
How to Wear
Gerne zeigen wir Ihnen Variationen, wie wir von V. FRAAS unseren Schal & Co. elegant, sportlich oder lässig tragen.
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